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  Kirmespredigt 2006


Liebe Brüder und Schwestern. Liebe Gemeinde.

Ich weiß nicht, wie viele Jahre wir schon die Titschendorfer Kirmes feiern.

20,30,100 Jahre. Egal. Dies ist wohl die einzige Tradition, die sich für uns und für euch erhalten hat. In diesem Zelt, für Jung und Alt. Mitten am Busen der Natur, welcher meistens am Arsch der Welt liegt.

Freudige Tage, wie immer. Doch auch in diesem Jahr, haben wir wieder ein Opfer zu beklagen.

Ein junger Mensch, der sich nicht mehr zurecht fand in seiner Welt. Dahingerafft vom Bruder Alkohol. Nur noch dem Grundsatz folgend:

Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd,

in Titschendorf ist`s umgekehrt.

  

Ihr Sündigen!

Nehmt euch kein Beispiel an ihm. Geschrieben steht:

In sieben Tagen schuf Gott die Welt, am achten Tage das Bier.

Seitdem war nichts mehr von ihm zu hören.

Seht ihn Euch an. Nun liegt er vor uns, friedlich und schön,

wie ein Zentner Gammelfleisch.

Doch nicht jede Sau mit kalten Füssen, kann als Eisbein man genießen!

Er war ein feiner Kerl mit verirrtem Geiste. Er lebte fast wie Jesus.

Er hatte lange Haare, wohnte bei seinen Eltern, und es glich fast einem Wunder,

wenn er mal was getan hat.

Immer wollte er   Lippenstift werden, dachte dies sei der Lehrling eines Frauenarztes.

Später arbeitete er in einer Werkstatt, doch als man ihm sagte, dass der Auspuff nicht der Ausgang eines Freudenhauses sei, flüchtete er sich nur noch in den Alkohol und in seine Ängste. Die meiste Angst hatte er vor Pferden, denn er wusste, dass der Biss eines einzigen Pferdes, für eine Hornisse tödlich sein kann.

Seinen letzten Halt suchte er in der Feuerwehr. Er hatte gehört, dass die Leute da für Spritztouren bezahlt werden.

  

Liebe Zechgemeinde!

Nun ist es unsere Aufgabe, ihn zu verabschieden, seine Seele auffahren zu lassen, an die große Himmelstheke. Tun wir dies in einem letzten Gebet.

  

  

Bier unser,
das du bist im Glase
gesegnet sei dein Brauer
dein Rausch komme,
dein Wille geschehe,
wie zu Hause als auch in der Kneipe.
Unseren täglichen Durst gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.
Und führe uns nicht in die Milchbar,
sondern gib uns Kraft zum Weitersaufen.
Denn dein ist der Suff,
der Rausch und der Durst
und die Benommenheit
in Ewigkeit.

Prost


AMEN