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Kirmespredigt 2008


Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern,

Kalt ist´s geworden, der Sommer war gestern.

Tristes Braun legt sich auf die Felder,

Welk werden die Pflanzen der Wiesen und Wälder.

Langsam beginnt die Natur zu ermüden,

Die Vögel sammeln sich und zieh´n mit den Unimogs gen Süden.

  

Von harter Arbeit, jeder längst schon mürbe,

Hallt laut im Dorf, der Schrei nach Kirbe.

Und da auch keiner dieses Fest verpennt,

Verlese ich nun, dieses Säufers Testament.

  

Als Kind schon sprach ich nur was wahr ist, aß nur was gar ist,

Und trank von klein auf nur was klar ist.

Liebte erst nur Mama, dann aber alle Frauen,

Die Lust hatten sich mit mir in die Kiste zu hauen.

Nie konnte ich mich bloß an eine Einzige binden,

Ließ sich doch fast täglich was Neues, Williges finden.

  

Im Hühnergässle hab ich mir die Kehle gefüllt,

Mit der kleinen Brünetten, was hat die gebrüllt.

Die vom Scharfen Eck, stand auf Brüsteküssen,

Der vom Mühlberg hab ich´s täglich dreimal tun müssen.

Gern denk ich an den Kohlhau zurück,

Da hab ich zwei Blondinen auf einmal beglückt.

  

Am Böhlweg ließ ich die Korken knallen,

Mit ´ner Schwarzharigen, sie war die Schärfste von allen.

Und eine, die konnte es gar nicht erwarten,

Ich traf sie jeden zweiten Tag im Papstensgarten.

Und hat mich da unten mal ein Juckreiz gereizt,

Hat die aus der Höh´ nie mit Trost und Zärtlichkeit gegeizt.

  

Im romantischen Viertel sang ich die schweinigsten Lieder,

Der Rothaarigen gefiel es, die kam ständig wieder.

Von der Nummer in der Jägersruh,

Weiß ich nix mehr, da war ich schon zu.

  

Im Großen und Ganzen unten ausgelastet,

Hab ich auch alkoholisch nie gefastet.

Musste ich mich doch stets vorbereiten,

Auf die Titschendorfer Kirbezeiten.

  

So lebte ich wohl Jahr auf Jahr,

Getreu dem Spruch, weil er so wahr:

Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft,

Den Menschen stärkt der Gerstensaft.

Drum danke Gott, du lieber Christ,

Dass du nicht so ein Rindvieh bist.

  

Rostig wird des Gleises Schiene, wenn kein Wagen drüber läuft,

Frostig wird des Mannes Miene, wenn er ab und zu nicht säuft.

Ich trank solang der Becher winkte und nutzte meine Tage,

Denn ob´s im Jenseits auch noch schmeckt, das ist die große Frage.

  

Mein Testament ist nun verlesen,

Schön war es bei euch gewesen.

Hab lustig gelebt, bin lustig gestorben,

Und hab dem Teufel die Rechnung verdorben.

  

Solang uns noch ein Bierchen schmeckt, ein Kuss aus jungem Munde,

Und die Weiber hitzig sind, geht Titschendorf nie zu Grunde!

  

AMEN