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Kirmespredigt 2012


Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gemeinde!

Jahr für Jahr feiern wir die Titschendorfer Kirmes. Ein ums andere Mal sind wir gezwungen, diese auch wieder zu verabschieden und das eine oder andere Opfer zu betrauern.

Die Zeit verfliegt und wir merken kaum wie sich mit ihr unser ganzes Leben verändert.

Wie hieß es früher so schön:

Wo Saufen Ehr ist, ist Speien kein Schand!

Damals wusste man noch den Unterschied zwischen einem Busen und einem starken Schnaps.
Es gibt keinen! Einer ist zu wenig und drei sind zu viel.

Auch die Aufklärung lief da ganz anders. Der Vater sagte dem Sohne:
Wenn du ein Mädchen triffst, mit glänzenden Augen, mit feuchten Lippen, dass am ganzen Leib zittert, mein Junge, lass die Finger von ihr, sie hat Malaria.

Die Mutter riet der Tochter: Wenn du heiraten willst, such dir einen Soldaten, denn der kann kochen, Betten machen, aufräumen und der hat gelernt zu gehorchen.

Ja auch hier im Dorf sind da so einige Soldaten hängen geblieben.

Unser verblichener Freund hier hätte es besser auch beim Militär versucht.
Er kam mit seiner Zeit und seiner Umwelt nie richtig zurecht. In langen Gesprächen schilderte er mir oft sein Schicksal.
So bildete er sich eine Zeit lang ein, mit den Tieren sprechen zu können.
Er erzählte mir, dass er in den Wald ging, um dort eine Woche als Baum getarnt, stillzustehen und zu lauschen.
Nun war er aber schon am ersten Abend zurückgekehrt. Er sagte:
Ich stand still als der Hund kam und mir ans Bein pisste.
Ich stand auch still als das Liebespaar ihre Initialen mit dem Herz darum, in meinen Arsch schnitzten.
Aber, als die zwei Eichhörnchen kamen, mir ins Hosenbein krochen und das eine zum andern sagte:
“Die beiden Kastanien essen wir gleich und den Tannenzapfen nehmen wir mit nach Hause.“, da hatte ich die Schnauze voll.

So fing er an Ackerbau zu betreiben ganz im alten Stil. Er bestellte seine Felder nackt. Ich traf ihn beim Kartoffeln stecken   und fragte warum er keine Unterhose trägt? Er antwortete: Meinst du ich will alle Fliegen im Gesicht ham?
Das brachte ihn aber auch nicht weiter. Ebenso wenig wie die Idee, Hummeln in ein Bambusrohr zu stecken und zu verkaufen,
als ÖKO-Vibrator.

Und so beendete er auch diese Phase recht schnell und schrieb in ins Poesiealbum von Joschka Fischer:
Erst wenn die letzte Ölplattform versenkt, und die letzte Tankstelle geschlossen ist, werdet ihr merken, dass man bei Greenpeace kein Bier kaufen kann.

Armer Kerl. Er begann zu saufen und hing wie ein Punker mit einem roten Irokesen-Schnitt herum. Meist an der Bushaltestelle. Bis einmal ein alter Mann kam und ihn kopfschüttelnd musterte.
Da schrie er den Alten an: Haben sie in Ihrer Jugend keine Fehler gemacht?
Oh, doch erwiderte der alte Mann, “Ich habe es in oft mit Hühnern getrieben und überlege jetzt, ob du mein Sohn bist.“

Dann ließ er sich die Haare lang wachsen und machte auf Oberrocker.
Er fuhr mal betrunken mit seinem Moped direkt in die Kneipe bis an die Theke. Da schrie der Wirt: Sag mal, wer erlaubt dir hier so rein zu heizen?
Worauf er lachend antwortete:
Das Deutsche REINHEIZGEBOT!

Ihr elenden Sünder, nun ist er hin.
Und mit ihm die gute alte Zeit,
in der die Tochter in die Küche lief und rief:
Mutter, Mutter, der Milchmann, der Milchmann!
Mutter sagte: Aber Kind, lass ihn doch.
Die Kleine: Hab ich schon, aber er will nochmal.

Gestern erst stand ich beim Bäcker als die Schwangere von Gegenüber kam und sagte:
Ich bekomme ein Schwarzbrot. Und ich dachte ganz verwundert:
Dinge gibt’s !?

Früher gab es das Dr. Sommer-Team in der Bravo.
Sie standen uns mit gutem Rat zur Seite.
Zum Beispiel hier:
Lässt sich mit Karotten die Potenz erhöhen?
Antwort: Im Prinzip ja, sie sind aber sehr schwer zu befestigen.

Und unser Freund hier schrieb: Mein Penis ist so unempfindlich, dass ich nur mit Sandpapier oder ähnlich rauen Stoffen onanieren kann. Habe ich da ein großes Problem?
Die Antwort: Ja, aber nicht mehr lange.

Nun lasst uns den armen Wicht betrauern , zusammen wie auch das Ende der Titschendorfer Kirmes 2012.
Hoffen wir, dass eine so alte Tradition noch viele Jahre erhalten bleiben kann, und wir auch in den nächsten Jahre noch beten können:

Oh, du mein Bier
wie lieb bist du mir.
wenn ich dich könnt meiden,
ging ich in Samt und Seiden.
Doch da ich dich nicht meiden kann,
zieh ich halt leinene Höschen an.
Und gibt’s mal Wein aus der Galone,
geh ich auch gerne unten ohne!

Amen!